Können wirklich alle Menschen mit Abitur rechnen?

Es gibt Telefonate, da kann man nur irritert mit dem Kopf schütteln, nachdem man den Hörer auf die Gabel gelegt hat. Es gibt Momente in denen ich mich ernsthaft frage, ob alle Menschen mit Abitur rechnen können. Und damit meine ich nicht Integralrechnung oder desgleichen – es geht hier nur um Addition und Subtraktion.

Folgender Fall:
Vor zwei Wochen ruft ein Arzt an und möchte sich zu Schiffsbeteiligungen informieren. Nachdem ich ausführlichst über die Risiken und Chancen eines solchen Investments aufgeklärt habe, gehe ich etwas näher auf unser Honorarmodell ein. Ich erkläre ihm, daß bei uns lediglich ein Beratungshonorar in Höhe von € 999,- inkl. Mwst. bei Zeichnung fällig wird. Die Courtage in Höhe von € 3.000,- (12% von € 25.000,-) wird nach Zeichnung in voller Höhe erstattet.

25.000,- € + 5% Agio = 26.250,- €
26.250,- € – 3.000,- € Provisionserstattung = 23.250,- €
23.250,- € + 999,- € Beratungshonorar = 24.249,- €
24.249,- €= tatsächlicher Aufwand für die Zeichnung bei einer nominalen Beteiligungssumme von 25.000,- €

Gleiches erhält der Herr noch einmal in schriftlicher Form, inkl. zwei Emissionsprospekten.

Nun habe ich heute Morgen den Hörer abgenommen und die Nummer dieser Person gewählt. Einfach um zu klären, ob es noch offene Punkte gibt, bzw. nach Durchsicht des Emissionsprospektes weitere Fragen aufgekommen sind.

Ergebnis: Der Herr hat gezeichnet! Beim Vermittler seines Vertrauens! € 25.000,- zzgl. 5% Agio!
Begründung: Das Honorar in Höhe von 999,- € fände er aufgrund der Tatsache, daß wir uns lediglich eine Stunde unterhalten hätten sehr dreist und viel zu hoch. !?!?!?
Kann es vielleicht sein, daß wir uns die Emissionsprospekte durchlesen bevor wir dem Kunden eine Empfehlung aussprechen? Kann es auch sein, daß wir die komplette Abwicklung für den Kunden übernehmen? Kann es sein, daß dies in dem Honorar von 999,- € schon berücksichtigt ist?

Was hat der Herr nun bezahlt: 25.000,- € + 5% Agio = 26.250,- €

Seit diesem Telefonat frage ich mich ernsthaft: Können wirklich alle Menschen mit Abitur rechnen?

Herzliche Grüße,
Ihr
Stefan R. Müller

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Autor: Stefan R. Müller
Datum: Donnerstag, 23. April 2009 15:49
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2 Kommentare

  1. 1

    Hallo Stefan,

    leicht irritierend, was du da schreibst.

    Ich hatte vor einiger Zeit ebenfalls eine Kundin. Ebenfalls Akademikerin.

    Es ging um die Beratung im Bereich Berufsunfähigkeitsversicherung. 2h Beratung, intensives Erklären, offene Fragen besprochen und zur Antragsunterschrift einen Zweittermin vereinbart – der kurz vor dem Treffen dann abgesagt wurde.

    Daraufhin habe ich die Interessentin angerufen und gefragt, welche Fragen Sie noch hat oder was unklar ist zu der von mir empfohlenen Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie sagte, es sei alles in Ordnung, Sie habe alles verstanden, Sie würde auch erkennen, dass das von mir angebotene Produkt wesentlich besser und zudem noch günstiger sei als das andere vorliegende, aber Sie fühle sich dem Vertreter (nicht unabhängiger Vermittler, sondern ein Ausschließlichkeitsvertreter) verpflichtet, da dieser das Angebot für die Berufsunfähigkeitsversicherung ja schließlich zuerst unterbreitet hätte.

    Also – die Interessentin zahlt nun mtl. mehr Geld für eine schlechtere Absicherung, weil Sie nicht über Ihren Schatten springen konnte.

    Verrückte Welt.

  2. 2

    Hallo Herr Müller,

    Sie sprechen mir mit diesem Eintrag aus der Seele. Letztes hatte ich auch Kunden angeboten, das Depot zu analysieren. Herausgekommen ist ein Umschichtungsbedarf in Höhe von 50.000 €, die empfohlenen Fonds hätten zu Abschlusskosten in Höhe von rund 1.500 € geführt.

    Stattdessen habe ich folgendes angeboten:

    Laufende Beratung, vierteljährliche Gespräche inklusive Prüfung aller übrigen Verträge, Pauschale pro Jahr 1.000 € zzgl. Steuer, vierteljährlich zahlbar und jederzeit zum Ende eines Quartals kündbar, alle Ausgabeaufschläge zu 100 % rabattiert, Rückvergütung von Kick-Backs.

    Dem Kunden erschien das Honorar unangemessen hoch (also im Prinzip 250 € zzgl. Steuer…), sodass er das Depot lieber garnicht umschichtet.

    Bis es in den Köpfen der Menschen angekommen ist, dass eine gute Leistung Geld kostet und auch Geld wert ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern.

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