Wie viele verschiedene Arten der Kapitalanlage gibt es eigentlich?

In meinen Seminaren frage ich die Teilnehmer immer, wie viele Arten der Kapitalanlage es denn gäbe. Die Antworten  sind zumeist: Tagelsgeldkonto, Aktienfonds, Rentenfonds, Anleihen, Schiffsbeteiligungen, Immobilienbeteiligungen, etc. Aber sind dies wirklich alles verschiedene Arten der Kapitalanlage!?

Verblüfft sind die Leute immer dann, wenn ich folgende Theorie aufstelle:

Es gibt genau ZWEI Arten der Kapitalanlage.

Das glauben Sie nicht? OK, dann lassen Sie uns zusammen erörtern…

Bei Aktien, Aktienfonds, Schiffsbeteiligungen, Private Equity, Containerbeteiligungen investieren wir direkt in ein Unternehmen oder Wirtschaftsgut. Wir stellen das Geld also zur Verfügung, um direkt am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens oder Wirtschaftsguts teilzuhaben.

Bei Staatsanleihen, Corporate Bonds, Tagesgeldkonten u.s.w. verleihen wir das Geld, z.B.  an Banken, Unternehmen oder den Staat. Wir stellen das Kapital also zur Verfügung, damit ein Anderer es investieren kann.

Und genau das sind die zwei Möglichkeiten der Kapitalanlage: Verleihen und investieren!

Was wird jedoch die Bank oder das Unternehmen tun, dem Sie das Geld leihen? Sie/es wird es investieren, um eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften, sprich wirtschaftlichen Erfolg oder auch Gewinn damit zu erzielen. Nur einen Bruchteil des Investitionsgewinns erhält der Anleger dann als kleinen Obulus, nämlich als Verzinsung.

Anhand diesem sehr einfachen Beispiels ist sehr schnell erkennbar, daß breit gestreute Investitionen immer rentabler sind, als das verleihen von Geld.

Ein weiterer, nicht unwichtiger Punkt: Geldwert fällt mit der Inflation, Sachwert steigt mit der Inflation. Bei einer Investition in Immobilien, Gold, Schiffe, Unternehmen, etc. handelt es sich um Sachwerte. Ein Sachwert wird nie völlig wertlos sein. Gewerbemietverträge z.B. sind in der Regel indexiert, die Miete wird dem Verbraucherpreisindex also in regelmäßigen Zeitabständen angepasst. Durch die Flucht vieler Anleger in Gold steigt dessen Wert in der Regel gerade bei steigender Inflation, und auch ein Wirtschaftsgut wie z.B. ein Schiff wird nie komplett an Wert verlieren.

Bei Geldwerten verhält es sich da schon etwas anders. Angenommen die Inflation liegt im Durchschnitt bei 2,5%, die Verzinsung jedoch nur bei 1,5% netto.  Der Kaufkraftverlust liegt somit bei ca. 1% p.a. In 20 Jahren sind 100.000,- € also nur noch 80.000,- € wert – trotz laufender Verzinsung!

Im Endeffekt muss jedoch jeder Anleger selbst entscheiden: Möchte ich mein Geld verleihen, oder doch lieber investieren.

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr
Stefan R. Müller

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Autor: Stefan R. Müller
Datum: Donnerstag, 4. Juni 2009 14:36
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2 Kommentare

  1. 1

    Hallo

    Danke für den sehr interessanten Artikel

    Ich würde ja sagen, Gerüchte hin oder her, man darf Gold als Anlage nicht unterschätzen. Wie heißt es so schön? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ;-) Über längere Zeit wird sich der Preis so oder so wieder stabilisieren – so war es schon immer und so wird es auch immer bleiben

    Gruß, Konstantin

  2. William von Kader
    Mittwoch, 6. Januar 2010 1:25
    2

    Hallo Herr Mueller,

    Und vielen Dank fuer diese super Erklaerung! Ich wuerde sagen, dies war keine Vereinfachung von etwas kompliziertes, sondern die klare und einfache Beschreibung eines ziemlich komplexes (nicht kompliziertes!) Thema.

    Gruss,
    William

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